Das Vertrauen der Schule – Frau Roscher

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Jeder kennt Sie. Rote Haare, schwarze Brille, meistens ein langes Gewand und früh steht Sie meisten im Atrium und ruft ganz laut ,,Morgenn!‘‘. Genau, Frau Roscher, die Beratungslehrerin der Schule. Bestimmt jeder kennt Sie, aber nicht wirklich Ihre Arbeit. Deshalb habe ich ein Interview mit Ihr gemacht um sie euch besser vorzustellen. Denn viele haben Probleme und Sorgen, aber reden nicht darüber. –und wieso sollte man mit jemandem über sich selbst reden, obwohl man diese Person nicht mal kennt? Um es einigen von euch einfacher zu machen, habe ich Frau Roscher mal etwas ausgefragt über das Beratungslehrer-Sein und einiges herausgefunden. Fangen wir mal an.

(kleine Info am Rande, das Interview fand in ihrem ,,Zuhause” statt, also ihr Beratungszimmer)

Ist Ihre Arbeit sehr anspruchsvoll? –Es ist sowohl zeitaufwendig, als auch anstrengend, natürlich, weil alles was die Beratungssache ist, das helfen, unterstützen, das zuhören, das informieren mach Ich ja quasi alles neben der Tätigkeit als Fachlehrer. Das ist auch manchmal ganz schön schwierig, vor allem mit der Planung von meinem terminplan und dem der Schüler und Eltern übereinzukommen. Also ja, natürlich ist es anstrengend, aufwendig, aber es macht Freude.

Kommen Viele mit Problemen zu Ihnen? – Also sagen wir mal so, es wird von Woche zu Woche mehr und es ist seit Jahren steigende Tendenz und es sind nicht nur Schüler, sondern auch Eltern, Kollegen/innen und auch alle Altersstufen von Klasse 5-12.

Gibt es manche, von denen Sie wissen, dass Sie Probleme haben, die aber nicht darüber reden? – ja. Definitiv. Aber es ist ja auch eine Freiwillige Sache. Ich kann mich bemerkbar machen indem, A- Mir viele Dinge selber auffallen, Ich meine, ihr habt euch ja bestimmt schon mal gefragt, warum ich meistens unten stehe, weil man auch ganz viel den Schülern ansieht, wenn sie in die Schule kommen und wie sie drauf sind und man erkennt schon, was da bei manchen die Stimmung oder die mentale Situation ist. Das beobachte ich und wenn das anhält gehe ich auf die Schüler zu und sage auch ,,ICH habe bemerkt‘‘ oder ,,ICH habe gehört‘‘ und ,,wenn du ein Ohr brauchst dann, du weißt wo ich wohne‘‘. Und alle die zu mir kommen machen das freiwillig, ich kann niemanden dazu zwingen.

Kann man denn jederzeit zu Ihnen kommen oder braucht man einen Termin? – Das ist ja das Prinzip der offenen Tür, das heißt, wenn die Tür offen ist kann man reinkommen und wenn die Tür zu ist bin ich in einem Gespräch und dann kümmre ich bin um die Schüler. Ich versuche auch in meinen Pausen und den Schülerpausen hier zu sein. Und jeder kann kommen wann er möchte. Ich habe auch 2 Freistunden in der Woche, da kann man auch zu mir kommen und monatlich 1-2 beratungstage, wo man auch nachmittags kommen kann und die stehen im netzt und die sieht man auch immer hier draußen an der kleinen Tafel hier und da kann man einen Termin mach oder sollte es auch, weil nachmittags auch immer die Eltern kommen. Das ist meistens mittwochs und das geht auch von um 10 bis um 8 abends. Es ist auch besser, wenn man nachmittags mit Termin kommt, dass dann draußen nicht 7-8 Mann stehen und warten.  

Mit welchen Problemen kann man zu Ihnen kommen? –  Mit allen, sowohl schulische Dinge, private Probleme, psychologische Probleme, psychische Probleme, also alles wo dankt, man brauch ein Ohr zu zuhören oder wo man einen Tipp geben kann oder man denkt okkk, das ist außerhalb meiner Möglichkeiten, da würde ich Vorschläge geben von Netzwerken, Telefonnummern und so. Also es gibt kein Problem was man hier nicht auf den Tisch legen kann und wenn diese Tür geschlossen ist, bleibt alles hier drin was hier gesagt wird und der betroffene oder der Hilfe suchende entscheidet was er oder sie freigeben möchte.

Wer erfährt von den Gesprächen und deren Inhalt? –– Keiner. Wenn der betroffene das nicht möchte, keiner. Es sei den, es ist eine Straftat, dann bin ich verpflichtet, wie jeder andere erwachsene, etwas zu sagen. In manchen Fällen sag ich auch ,,Du, da müssten wir uns noch jemanden mit ins Boot holen, es wäre zumindest günstig. Schlaf mal drüber und dann sag mir Bescheid, wenn aber derjenige nein sagt, muss ich das akzeptieren und darf nix sagen.

Machen Sie den Job gerne? –Sonst würde ich ihn nicht machen. Also das ist so eine Sache, die kann man nicht machen, weil es ein Job ist. Man muss auch die Einstellung dazu haben. Das ist keine Arbeit die man zwischen 7 und 16 Uhr machen kann und dann ist man fertig, also da funktioniert nicht. Wenn man das machen oder studieren will, muss man sich das gut überlegen, weil es ist sehr sehr zeitaufwendig, sehr umfangreich und auch sehr emotional angreifend und man sollte selber möglichst in seiner Mitte sein, dass man das auch verarbeiten kann und man auch eine Hilfe sein kann.

Was gefällt Ihnen nicht an dem Job? –– Ne, also da bin ich mir ziemlich sicher, also was zu diesem Bild gehört bzw. habe ich eine Vorstellung was dazu gehört und da ist nix dabei wo ich sagen kann ,,Ne das mag ich nicht‘‘.

Was hat Sie dazu bewegt, diese Aufgabe zu übernehmen? –Ich sag mal, ich habe selber eine ganze Menge gelernt, dass wenn jeder Mensch zu sich ehrlich wäre, würde er erkennen ,,Ich kann nicht alles alleine stemmen‘‘ und es gibt Menschen, die aufgrund ihrer Berufung, in der Lage sind, anderen zu helfen. Und Hilfe annehmen kostet Mut. Wenn man an einem Punkt angekommen ist wo man sich eingesteht ,,Ich komme nicht weiter, ich brauche Hilfe‘‘, das ist ein ganz, ganz mutiger Schritt den ich unwahrscheinlich respektiere. Und das ist eine Sache wo ich sage ich möchte da gerne dabei sein und ich möchte der Mensch sein der sagen kann ,,Pass auf, wir gucken mal drüber was wir machen können und analysieren das, wie können wir das für dich verbessern.‘‘. Und ich finde auch, die schule ist ein Ort, an dem ihr die meiste Zeit eurer Jugend verbringt und da solltet ihr euch auch wohl und sicher fühlen und ich möchte ein Teil dafür sein, dass das so ist, das ist mir ganz, ganz wichtig denn man kann nur lernen wo man sich richtig fühlt. Und das war so mein Grund Ansatz.

Was ist, wenn Sie bemerken, dass Sie bei einem/er Schüler/in nicht weiterkommen bzw. er/sie Ihnen aus dem Weg geht?-Also ich komme ganz oft deshalb nicht weiter, weil ich bestimmte Dinge aufgrund des Beratungslehrers, weil ich nicht Psychologe oder Psychotherapeut bin, nichts unternehme darf, d.h. mir sind da die Hände gebunden. An der Stelle würde ich darauf hinweisen ,,Pass auf, das kann nicht mehr auf meinen Tisch, da brauchen wir professionelle Hilfe, von einem Psychotherapeuten, einem Ergotherapeuten von einem Schulpsychologen von einem Arzt vom Jugendamt von ich weiß gerade nicht wer, also das sind ganz, ganz viele und ich hab da ein ganz großes Netzwerk wo ich quasi Empfehlungen aussprechen kann ,, Soll ich mal was suchen oder soll ich mal kontakt aufstellen?‘‘ und wenn sie sagen ,,ne‘‘ dann gebe ich die Adresse mit und sage ,, Guckst du mal ob du selber voran kommst oder dass du mich wieder einschaltest‘‘ also da würde ich  auch nur Netzwerke empfehlen wo ich weiß da gibt es professionelle Hilfe und die sind in der Lage zu helfen.

Belastet manches Sie sehr? –

 Ja. Definitiv, also bei manchen Dingen wo man irgendwie erste Erfahrung, hat muss man das auch erst verarbeiten, das ist, wie wenn du irgendwo hingehst und sagst : ,, Hey das und das ist passiert, kannst du mir da irgendwie helfen oder mir irgendwas raten?‘‘ oder du hast dich gerade aufgeregt oder du hast einen Streit mit einer älteren Person oder einem Lehrer, dann ist der Lehrer auch erbost über irgendwas. In so einer Situation sollte man nie die erste Entscheidung treffen und auch gar keinen ratschlag erteilen, weil Ratschläge sind auch manchmal Schläge. Jeder sollte erstmal eine Nacht drüber schlafen und bei manchen Dingen muss ich das auch erstmal machen und darüber nachdenken, was ist jetzt der beste Weg, d.h. ich muss das auch erstmal verarbeiten. Und wenn ich dann ne Woche habe, wo ich ganz ganz viele solcher Dinge habe…, weil im Schnitt komm ich hier spätnachmittags raus und da sage ich zu mir, ,,Ok bevor du jetzt nachhause gehst und dich nochmal damit auseinandersetzt‘‘, weil mein Familiäres Umfeld will natürlich auch jemanden haben, auf den es mit offenen Armen zu gehen kann, da habe ich auch meine Strategien mit denen ich dann damit umgehen kann. Da geh ich unterwegs nochmal in den Wald und schrei dann selber mal laut, damit ich die Emotionen raus lasse oder mache positiv-negativ listen, schon mal dahingehend, ,,was kann ich tun, was kann ich nicht tun, wen kann ich mir dazu holen für mich selbst?‘‘ Joa. Natürlich versuch ich auch mir bei Fortbildungen und Weiterbildungen mir auch Handwerkszeug beizulegen, wie ich auch Dinge bearbeiten kann, da gibt’s auch ganze Menge Hinweise und machen da auch ganze Menge Methoden, wo man da selber sicher ist. Ja, es beeindruckt mich sowohl positiv, als auch negativ eine ganze Menge.

Danke an Frau Roscher für ihre interessanten Einblicke!

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